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Chronik
Wie alles begann
Es bestand zunächst nur ein Männerclub mit dem klangvollen Namen "Wellenschlag". 1925 kam man auf die Idee, einen Ruderverein zu gründen, um aus dem Dasein eines Männerclubs herauszukommen.

Felix Homann wurde der 1. Vorsitzende. Zu den Gründern zählten ferner August Homann, die Gebrüder Willi und Leo Wenner, Ludwig Entrup, Paul und Robert Schieder, Ernst Meier, Martin Lammers, Paul Havenstadt, Franz Josef Waldeyer und Heinrich Ernst.

Förderer und Gönner (hier sollen besonders die Familien Entrup, Ermann und die Herrn August und Franz Rüschkamp genannt sein) sorgten für einen finanziellen Grundstock. Vom Ruderclub "Hansa" Dortmund wurde das erste eigene Boot erworben, das im Garten des Strommeisters Tiggers lagerte und im Sägewerk Entrup überwinterte.

Geld regierte schon immer die Welt. Zwar stieg die Anzahl der Mitglieder sprunghaft auf 50 Personen an, aber um in den Besitz eines so notwendigen Bootshauses zu kommen, waren 9.000 RM erforderlich. Man riskierte die Aufnahme eines Darlehns. Unter der Regie des Bankkaufmannes und späteren Sparkassendirektors Wilhelm Schmidt konnten die Schulden zu binnen drei Jahren getilgt werden. Die Kassengeschäfte leitete seinerzeit Dr. Kleymann, Willi Wenner hatte den Posten des Bootswartes inne. Selbstverständlich wurde nicht nur gerudert. Man feierte herrliche Feste. So waren An- und Abrudern stets mit einem zünftigen Tanzabend bei Terstappen verbunden. Hoch schlugen nicht nur die Wellendes Kanals beim kräftigen Ruderschlag, hoch schlugen auch die Wogen karnevalistischen Treibens. Und dann kam einer auf die Idee, Theater zu spielen. Gleichzeitig witterte man Morgenluft für die Vereinskasse. Aus den eigenen Reihen kristallisierten sich Schauspieltalente. Es wurde geübt und geübt, und dann füllte sich wiederholt der Saal des Gesellenhauses, wo die "Hulda-Blesse" von dem Lüdinghauser Terfloth und "im Weißen Röß´l" von Beantzky großartigen Erfolg brachten.

Neue Boote konnten angeschafft werden. Nicht von ungefähr erhielten sich die Namen "Hulda Blesse" und "Röß´l". Selbstverständlich war eine solche Taufe stets ein großes Ereignis, das 1926 fertig gestellte Bootshaus prangte im Flaggenschmuck. Sportfreunde bildeten zackiges Spalier. 1926 tauften Frau Rechtsanwalt Schnieder "Hulda Blesse", 1927 Frau Entrup das "Weiße Röß´l". Recht bald bildeten sich auch Damenriegen, die es an Sportbegeisterung nicht fehlen ließen, die aber neben der sportlichen Tätigkeit die Geselligkeit pflegten. So erinnerte man sich der vielen Bootsfahrten nach Olfen, wo bei Ueding Kaffee getrunken wurde. Man ruderte bis Hiddingsel oder war Gast des "Ruderclubs 1882" Münster.
Sportlicher Wettkampf
Zunächst begann man mit Wanderfahrten gemäß dem vorhandenen Bootsmaterial. Man wurde zum systematischen Training Gast beim Ruderclub "Hansa" in Dortmund, 1927 berichtete man über beginnenden Wettkampfsport. 1929 wurden die ersten Siege an die Vereinsfahne geheftet. Bei der Herbstregatta 1929 in Gelsenkirchen wurde ein Sieg im Doppelzweier ohne Steuermann sowie ein Sieg im Doppelzweier mit Steuermann errungen. Der Riemenvierer mit der Besatzung Feldhagen, Wenner, Heinrich Köning und Leo Wenner belegten einen zweiten Platz, und das bei harter Konkurrenz wie der Vereine Hansa-Dortmund, Ruderverein Gelsenkirchen und Ruderverein Essen-Karnap, alte Füchse im Rennsport. Brausender Jubel begrüßte die siegreichen Heimkehrer.

Neben der Teilnahme an Regatten in späteren Jahren bewarben sich immer wieder junge Menschen um das "Leistungsabzeichen für Leibesübungen Abtl. Rudern". Unter anderem war Bedingung, in einer einzigen Saison 1.800 km zu rudern. Alfons Dietrich erwarb 1937 durch Teilnahme an einer Ausbildung für Ruderwarte seine offizielle Bestätigung; 1938 nahm Luise Tewes, 1939 Maria Stapel daran teil.

Von den Wanderfahrten sind in lebhafter Erinnerung geblieben: Saar-Mosel-Rheinfahrt, wo zwei gesteuerte Doppelzweier mit der Besetzung Felix Homann, Willi Wenner, Alfons Dietrich, Willi Voß, Willi Stapel und Töne Holz in Saarbrücken zu Wasser gingen und in Koblenz die Fahrt beendeten. Die Fahrt erfolgte in Leihbooten vom Fachamt Rudern Berlin. Es hätten Kostverächter sein müssen, wäre nicht auch die Paten- und Weinstadt Trittenheim/Mosel besucht worden. Zwölf Vereine nahmen an einer Viertage-Fahrt am Baldeneysee - Essen -Steele, Blankenstein - Hattingen teil.

1938 gab es wieder Siegesruhm bei der Teilnahme an der Regatta in Waltrop. Der Damenvierer mit Alexa Uhlenkott, Karola Pellengahr, Walburgis Rohde, Maria Stapel und Marie-Luise Kaiser (Steuermann) belegten Platz eins. Die Männer im Riemenvierer "Hulda Blesse" mit Alfons Dietrich, Hans Bäuerlein, Willi Voß, Willy Stapel und Kaspar Schütte (Steuermann) erkämpften einen zweiten Platz.

Mit Beginn des Krieges - die meisten jungen Männer wurden eingezogen - wurde es ruhiger am Kanal. Nicht nur der Rudersport erlahmte, auch der Tod hielt reiche Ernte unter den Kameraden. Von den aktivsten Mitgliedern fielen Alfons Dietrich, Willi Voß, Paul Uhlenkott, Hans Bäuerlein, Rudi Schmitz, Töne Holz und Franz-Josef Kaiser.

Auch Kaspar Schütte und Günther Rogmann starben viel zu früh.
Der Ruderverein nach 1945
Der Ruderverein und das alte Bootshaus fielen in einen langen Dornröschenschlaf:

Wahrscheinlich hatten die alten Lüdinghauser Ruderer andere Sorgen. Jedenfalls bestanden der Ruderverein nur auf dem Papier, d.h. im Vereinsregister beim Amtsgericht, und nur ein zerfallenes Ziegelgemäuer nahe der Seppenrader Kanalbrücke zeugten noch von der alten Zeit der Lüdinghauser Ruderei.

Der Chronist weiß nur von einem Vereinsmitglied, das schon in der "Steinzeit" des Rudervereins, genauer gesagt kurz vor und während des 2. Weltkrieges, gerudert hat: Fritz Ermann. Es ist sozusagen das "missing link" zwischen der Altsteinzeit, pardon: -ruderzeit, und der Rurderneuzeit.

Bekanntlich mahlen die Mühlen der Bürokratie langsam, und wer ist schon der Bürokratie Freund?

Eigentlich wollte das Amtsgericht Lüdinghausen eine "Karteileiche" beseitigen und den leblosen Ruderverein "abwickeln". Doch hatte dieser "böse Drang" eine positive und völlig unbeabsichtigte Wirkung:

Welche Beziehungen die Neugründer im einzelnen zum alten Ruderverein hatten - ob sie überhaupt eine hatte - kann heute kaum noch einer sagen, es sei der Wunsch gewesen, auf der Basis von altvertrauten Fundamenten etwas neues zu errichten, sich bewährter Strukturen bedienen.

Rolf Ommen, als Banker, deutet das in einer Rede nüchtern unprosaischer, ja geradezu kapitalistisch: "Der Bröhl soll das Vereinsmögen nicht kriegen!", war die Devise.

Im altehrwürdigen "Westfalenhof" in der Münsterstraße trafen sich "Widerständler" aus allen Volksschichten am 14. Dezember 1968 zur konspirativen Sitzung. Sie bereiteten eine Generalversammlung vor, die am 28. März 1969 quasi als 1. Nachkriegsversammlung stattfand. 26 Neumitglieder bekam der Verein damals. Einige davon sind noch heute Vereinsmitglieder.

Die damaligen Ereignisse bedeuten nicht, dass ab 1969 wieder gerudert wurde! Es gab zwar ein Bootshaus, aber es gab keine Boote! Insofern war der Sport nicht eben ein charakteristisches Merkmal des Rudervereins.

Anlässlich der Einladung zur Generalversammlung vom 23. April 1971 wurde ausdrücklich das Rudern empfohlen! Sportlich Aktivitäten wurden sozusagen wohlwollend toleriert. Der Chronist überlässt dem Leser die Interpretation folgender Fahrtenbucheintragung von damals: "Wegen Schadens an Manschette, Arbeit im Boot (!) abgebrochen. Anschließend: kleine Feier …".

Die Fortschrittssprünge im Verein sollen hier nur kurz angedeutet werden, um den Kontrast der damaligen Jahre mit dem heutigen Zustand des Rudervereins sichtbar zu machen:

1972:
Anschaffung von "Karl Salz"
1976:
Bau der Barke ("Klötzken"), Bau eines Bootshängers (in Eigenarbeit)
1980 / 1981:
Ein entscheidender Entwicklungsschritt: Planung und Bau des neuen Bootshauses
1983:
Beginn der Anfängerausbildung für Erwachsene

In der Mitte der 80er Jahre übersteigt die Mitgliederzahl die 100er-Marke. Zu den Aktivitäten es Rudervereins gehören viele Wanderfahrten und Regatten.
Der Ruderverein betreibt aktive Jugendarbeit und -ausbildung.

1994 haben beide Lüdinghauser Gymnasien am Bootshaus Ruder-AG´s.
1997 wird damals ein eigenständiger Jugendvorstand gewählt.
1999 erfolgt der Beitritt zum DRV, die Berufsbildenden Schulen Lüdinghausens führen erstmals eine Ruder-AG durch.

Im gleichen Jahr wechselte der Ruderverein vom Pächter zum Grundstückseigentümer. Die Weichen in eine gesicherte Zukunft sind gestellt.